Stahlwolle-Fotografie und Funkenflug

Ich habe im Chemieunterricht gelernt, dass Stahlwolle brennen kann. Ich erinnere mich noch daran, wie wir alle ein Stück Stahlwolle mit der Tiegelzange in den Bunsenbrenner gehalten haben und erstaunt waren, wie gut es brannte. Das Experiment kann man noch verfeinern und ausbauen sowie fotografisch festhalten, aber dafür benötigt man einige Jahre Vorbereitungszeit.

Vor einigen Tagen war es endlich soweit: Das Wetter war passend, mein Freund und ich hatten Zeit, die Ausrüstung war bereit und die passende Location war gefunden. Bevor ich jedoch auf die Details des Fotografierens eingehe, möchte ich noch einige Worte über das Material, also die Stahlwolle und das sonstige Zubehör, verlieren.

Stahlwolle -Equipment

Die kleine silberne Rolle oben links im Bild ist Magnesium. Eine Kette, die ich an dem ‚Käfig‘ befestigt habe, dient dazu, die Stahlwolle später mit entsprechendem Abstand über dem Kopf oder vor dem Körper zu drehen. Hierbei sollte man allerdings darauf achten, dass die einzelnen Glieder der Kette nahtlos sind und nicht, wie hier, immer etwas überstehen. Nach längerem Drehen scheuern die überstehenden Metallenden an den Fingern und das wird unangenehm. Ich denke, dass eine Schnur besser geeignet wäre. Außerdem habe ich einen UV-Filter verwendet, um das Objektiv zu schützen, da ich nicht wusste, wie weit die Funken der Stahlwolle fliegen. Ich möchte mir nicht vorstellen, was passieren würde, wenn ein glühender Funke die Linse des Objektivs trifft!

Die Stahlwolle gibt es in jedem Baumarkt und ist sehr preiswert. Sie wird in verschiedenen Stärken angeboten, ich habe die Größe „0“ verwendet. In verschiedenen Foren und Videos wird empfohlen, die Größe ’00‘ oder noch feiner zu verwenden. Aber auch damit hat es  gut funktioniert.

Augenschutz ist unbedingt erforderlich! Wenn man bereits Geld für einen UV-Filter für die Linse ausgegeben hat, sollten man auch ein paar Euro für den Schutz der Augen einplanen. Achtet darauf, dass die Schutzbrille auch einen Seitenschutz hat, um zu verhindern, dass glühende Partikel zwischen Brille und Gesicht ins Auge gelangen können.

Der Käfig: Es handelt sich um eine Futterkugel für Meerschweinchen oder Kaninchen, die in jedem Geschäft für Tierfutter und Zubehör erhältlich ist. Die Kugel hat den Vorteil, dass man die Kette daran gut befestigen und auch die Stahlwolle darin gut aufbewahren kann.

Das Feuerzeug: Einige Fotografen, die bereits brennende Stahlwolle fotografiert haben, benutzen eine 9-Volt-Batterie. Es ist jedoch wichtig darauf zu achten, dass Stahlwolle und Batterie getrennt transportiert werden, um ungewollte Zwischenfälle zu vermeiden. Ich bevorzuge die Verwendung eines Feuerzeugs mit höherer Leistung als üblich, da es die Stahlwolle schnell und zuverlässig entzündet.

Als Aufnahmeort haben wir eine Unterführung gewählt, die keine fünf Minuten von meiner Haustür entfernt ist. Der Grundgedanke für diesen Ort war in erster Linie die Sicherheit. Durch die Verwendung von Beton und Asphalt an den Seiten, oben und unten, ist es unwahrscheinlich, dass hier schnell ein Feuer ausbricht. Dass diese Unterführung auch noch tolle Effekte erzeugt, haben wir gerne in Kauf genommen. Ich habe mein 15-35mm Objektiv verwendet und alle Aufnahmen mit 23mm Brennweite, ISO 100 und Blende f/8 gemacht. Belichtungszeit „Bulb“: Die Belichtungszeit begann mit dem ersten Glühen der Wolle und dauerte bis zum vollständigen Abbrennen. Die Belichtungszeit betrug bei allen Aufnahmen liegt zwischen 14 und 21 Sekunden.

Mein Freund wollte nur den Auslöser drücken, also habe ich mich schick gemacht. Ein Brandloch mehr oder weniger in der Kleidung wäre nicht schlimm.

Beim ersten Versuch war ich etwas nervös, da ich nicht genau wusste, was mich erwartet. Es hat eine Weile gedauert, bis wir das Zusammenspiel zwischen dem Anzünden der Stahlwolle, dem Beginn und Ende der Belichtung hinbekommen haben. Aber die ersten Bilder haben Lust auf mehr gemacht.

 

Stahlwolle-Fotografie II

Ich bin bei solchen Aktionen immer ein Freund von „viel hilft viel…“, aber die Stahlwolle sollte etwas locker in der Futterkugel sitzen, damit genügend Sauerstoff an die Glut kommt und alles gleichmäßig abbrennen kann.

Stahlwolle-Fotografie I

Schon besser!

Noch interessanter wird das Ganze natürlich durch die Wände und die Decke der Unterführung.

Stahlwolle-Fotografie III

Der erste Versuch, die Kugel über dem Kopf zu drehen.

Stahlwolle-Fotografie V

Auch hier: Übung macht den Meister.

Zum Schluss habe ich zwischen die Stahlwolle das Magnesium, etwa vier bis fünf Stückchen mit einer Länge von ca. 1 – 1,5 cm gelegt.

Stahlwolle-Fotografie IV

Das Magnesium ist hier an den weißen Leuchtspuren zu erkennen. Oft haben sich die Magnesiumstücke aber nicht entzündet, woran das lag, kann ich leider nicht sagen, vielleicht hat jemand einen Tipp!

Das Ganze hat richtig Spaß gemacht und ist eigentlich mit wenig Ausrüstung machbar. Am besten macht man es zu zweit, einer fotografiert, der andere schwingt die Kugel mit der Stahlwolle. Natürlich kann man es auch alleine machen, aber es erfordert sicher viel Geschick, den Ablauf vom Anzünden der Wolle, Auslösen der Belichtung, Drehen der Kugel und Beenden der Belichtung sauber durchzuführen.

Wenn ihr diesen Funkenflug auch fotografieren wollt, achtet bitte nicht nur auf eure Kamera und das Objektiv, damit sie nichts abbekommen, sondern vor allem auch auf euch und eure Umgebung, denn glühende Stahlwolle hat eine Temperatur von ca. 800° C und brennendes Magnesium ist mit ca. 3000 ° C noch viel heißer!

Viel Spaß dabei…

Euer Matthias

 

3 thoughts on “Funkenflug”

  1. Moin.
    Sagt man noch ‚bass erstaunt‘?😁
    Nun ertappe ich mich bereits zum fünften Mal dabei, dieses Schauspiel zu begucken. Immer wieder faszinierend. 😁
    Weiter so Burschi 😎

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