Ein Fototörn durch den Hamburger Hafen

Wer meinen Fotoblog schon etwas länger verfolgt, der wird es vermutlich schon bemerkt haben: Ich habe irgendwie eine Schwäche für Schiffe. Keine Ahnung, woran das genau liegt. Vielleicht ist es das Wasser, vielleicht die schiere Größe dieser Dinger, odereinfach die Tatsache, dass es auf einem Schiff immer irgendwo etwas zu entdecken gibt. Jedenfalls landet die Kamera ziemlich regelmäßig bei mir im Einsatz, sobald irgendwo ein interessanter Pott vorbeikommt. Bei der Sail sind es meistens die alten Traditionssegler, die es mir angetan haben. In Bremerhaven und Hamburg dürfen es dann auch gerne mal die etwas größeren Exemplare sein. Und wenn man schon mal einen riesigen Containerfrachter oder ein Kreuzfahrtschiff direkt vor der Nase hat, wäre es ja fast schon fahrlässig, die Kamera in der Tasche zu lassen. Deshalb hatte ich mich mal wieder für eine Fototour durch den Hamburger Hafen angemeldet. Mit einer Barkasse durch den Hafen, dazu hoffentlich gutes Wetter und jede Menge Motive, eigentlich genau mein Ding.

Der erste Termin im Mai fiel allerdings ins Wasser. Und das meine ich jetzt ausnahmsweise mal nicht im fotografischen Sinne. Die Barkasse hatte einen Motorschaden, damit war die Tour erst einmal Geschichte. Tja, kann passieren. Zum Glück gab es einen Ausweichtermin. Und im Nachhinein war der Motorschaden vielleicht sogar gar nicht so schlecht, denn meine liebe Fotofreundin Sandra hatte ebenfalls einen Platz für diesen Termin gebucht. Und so ergab sich die schöne Gelegenheit, die Tour nicht alleine, sondern gemeinsam zu unternehmen. Zwei Fotografen, ein Boot, dazu Kameras und der Hamburger Hafen. Was soll da schon schiefgehen? Also hieß es irgendwann: Kameratasche packen, Akkus kontrollieren und ab nach Hamburg. Und natürlich war ich gespannt, was uns auf der Tour so alles vor die Linse fahren würde.

Wir trafen uns in Hamburg an den Magellan-Terrassen. Dort lag sie schon und wartete auf uns: das alte Feuerlöschboot „Repsold„. So ein altes Schiff hat ja schon etwas. Da braucht es eigentlich gar nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, was dieses Boot in seinem bisherigen Leben schon alles erlebt haben dürfte. Edgar, der Steuermann, und Frank, unser Schiffsführer, sollten uns sicher durch den Hafen schippern.

Als wir gerade dabei waren, an Bord zu gehen, hörte ich plötzlich von der Seite: „Matthias …?“ Ich drehte mich um und stand tatsächlich vor Tonja. Tonja ist ebenfalls eine Fotofreundin, ich kenne sie schon von einigen anderen Fototouren. Sie hatte sich ebenfalls für diesen Törn angemeldet. Was für ein Zufall! Damit waren wir also schon zu dritt unterwegs. Und spätestens jetzt war klar: Das konnte eigentlich nur ein guter Tag werden.

An Bord wurden wir von unserem Steuermann Edgar und dem Schiffsführer Frank begrüßt. Die beiden gaben uns noch ein paar kurze Hinweise zur Sicherheit und erklärten, was wir an Bord beachten sollten. Das gehört natürlich dazu. Schließlich wollten wir zwar möglichst viele Fotos mit nach Hause nehmen, aber bitte alle Fotografen auch wieder heil zurückbringen. Die Leinen wurden losgemacht, die „Repsold“ setzte sich langsam in Bewegung, und wir verließen die Magellan-Terrassen. Jetzt konnte es endlich losgehen. Hamburger Hafen, altes Feuerlöschboot und die Kamera griffbereit, mehr brauche ich doch eigentlich gar nicht.

 

Vorbei an der Elbphilharmonie ging es zunächst Richtung Hansahafen, dort wo auch die Peking wieder festgemacht hat.

 

 

Die Landungsbrücken ließen wir Steuerbords liegen und führen weiter Richtung Waltershof, zu den ganz großen Pötten am Burchardkai.

 

Wir hatten richtig Glück. Die Maastricht Maersk wurde gerade ins Hafenbecken geschleppt. Was für ein Anblick. Ich höre Frank, unseren Schiffsführer, noch heute sagen: „Boah, Gänsehaut … was für ein Anblick …!“

 

Von dort aus ging es dann weiter Richtung Köhlbrandbrücke und Sandauhafen.

 

 

Roßkanal … Travehafen und Reiherstieg

 

 

Nach fast drei Stunden ging es dann wieder zurück. Die Speicherkarte war voll, der Kopf voller Eindrücke und wir einfach nur beseelt von dieser tollen Fahrt. Vorbei an der Elphi liefen wir schließlich wieder in den Sandtorhafen und an unseren Liegeplatz ein. Zum Abschluss gab es von Frank und Edgar natürlich noch das traditionelle Festmacherbier.

 

Was man auf so einer Tour eigentlich sieht: die Hafenteile im Überblick

Im Nachhinein dachte ich mir: So eine Tour rauscht in drei Stunden an einem vorbei, und man bekommt jede Menge Namen zugerufen, Waltershof hier, Reiherstieg da, ohne dass wirklich Zeit bleibt, sich das alles einzuordnen. Deshalb hier noch ein paar Worte zu den Stationen, an denen wir vorbeigekommen sind. Vielleicht hilft es dem einen oder anderen, der die Tour selbst mal machen möchte, sich schon vorher ein Bild zu machen.

 

Speicherstadt und HafenCity

 Direkt zu Beginn der Tour, an den Magellan-Terrassen, startet man quasi im jüngsten Teil des Hafens. Die HafenCity ist eines der größten innerstädtischen Stadtentwicklungsprojekte Europas und entsteht seit den 2000er-Jahren auf dem Gelände des ehemaligen Hafen- und Freihafengebiets. Direkt angrenzend liegt die Speicherstadt mit ihren backsteinernen Lagerhäusern aus dem späten 19. Jahrhundert, einst gebaut, um zollfrei gelagerte Waren wie Kaffee, Tee und Orientteppiche unterzubringen. Heute ist sie UNESCO-Weltkulturerbe und beherbergt neben Museen auch das Miniatur Wunderland. Die Elbphilharmonie, an der wir gleich zu Beginn vorbeikamen, markiert quasi den Übergang von diesem modernen, musealen Hafenteil zum arbeitenden Hafen dahinter.

 

Hansahafen und die Landungsbrücken

Der Hansahafen ist die Heimat der Peking, eines der letzten großen Frachtsegler ihrer Art, die nach jahrelanger Restaurierung seit 2020 wieder in Hamburg liegt. Die Landungsbrücken selbst sind wohl der bekannteste Publikumsort im gesamten Hafen, mit Anlegern für Barkassen, Hafenrundfahrten und die HADAG-Fähren. Für Touristen ist das meist der erste und einzige Kontaktpunkt mit dem Hafen, dabei fängt der eigentliche, arbeitende Hafen erst dahinter richtig an.

 

Waltershof und der Container Terminal Burchardkai

Hier wird es dann ernst, im wahrsten Sinne des Wortes groß. Der Container Terminal Burchardkai (CTB) ist der älteste und größte Containerterminal im Hamburger Hafen und wird von der HHLA betrieben. Hier legen die ganz großen Containerschiffe an, wie eben die Maastricht Maersk, ein Schiff der Maersk-Triple-E-Klasse mit einer Kapazität von weit über 18.000 Standardcontainern (TEU). Diese Schiffe sind so groß, dass sie beim Anlegen häufig von Schleppern unterstützt werden müssen, genau das durften wir an diesem Tag live miterleben. Waltershof selbst ist eine künstlich aufgeschüttete Hafenerweiterung, die seit den 1960er-Jahren entstanden ist, um dem wachsenden Containerverkehr Platz zu bieten.

 

Köhlbrandbrücke und Köhlbrand

Die Köhlbrandbrücke ist mit ihren markanten blauen Pylonen eines der Wahrzeichen des Hafens und verbindet seit 1974 die Terminals auf beiden Seiten des Köhlbrand, eines Nebenarms der Elbe. Sie ist mittlerweile in die Jahre gekommen und soll in den kommenden Jahren durch einen Elbtunnel ersetzt werden, ein Projekt, das den Hafen noch länger beschäftigen wird. Für Fotografen ist sie ein dankbares Motiv, gerade von der Wasserseite aus wirkt die Brücke noch imposanter als von Land.

 

Sandauhafen, Roßkanal, Travehafen und Reiherstieg

Diese Gewässer liegen allesamt im südlichen Teil des Hafens, auf und um die Elbinsel Wilhelmsburg herum. Hier findet man eine Mischung aus Werften, kleineren Umschlagbetrieben und ruhigeren Wasserflächen, ein deutlicher Kontrast zu den Containerbergen am Burchardkai. Gerade der Reiherstieg, ein weiterer Elbnebenarm, ist historisch eng mit dem Schiffbau verbunden, hier saßen über Jahrzehnte mehrere Hamburger Werften. Fotografisch sind diese Ecken ein Geheimtipp, weniger überlaufen als die Landungsbrücken, aber mit genug Industriecharme, um die Kamera zu füttern.

 

Sandtorhafen

Zum Schluss läuft man wieder dort ein, wo die Tour begonnen hat, im Sandtorhafen mitten in der HafenCity. Der Kreis schließt sich, vom historischen Hafenbecken über die Speicherstadt, den modernen Containerumschlag, die große Brücke bis zurück zum Ausgangspunkt, quasi ein Querschnitt durch anderthalb Jahrhunderte Hamburger Hafengeschichte in drei Stunden.

Wer selbst eine solche Tour plant: Ein bisschen Zeit für die Bildbearbeitung sollte man einplanen, bei über 120 Fotos in drei Stunden kommt ordentlich was zusammen. Und ein Teleobjektiv lohnt sich, viele der spannendsten Motive, gerade an den Terminals, liegen etwas weiter vom Boot entfernt.

 

 

Matthias

 

 

 

9 Kommentare zu „Ein Fototörn durch den Hamburger Hafen“

  1. Moin Matthias,
    ich weiß noch als du das erwähnt hättest, dass du dich da angemeldet hast und wie ich darauf meinte, ja ne ist nicht so meins. Jetzt bereue ich es ein wenig 😅

    Wirklich schöne Bilder und eine schöne Geschichte

    Liebe Grüße

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  2. Moin Matthias,

    tolle Fotos und ich habe keines mit Blendenstern, Verdammich. Wie immer toll zu sehen, dass sich Motive ähneln und wir doch auch andere Ansichten hatten.

    Auf jeden Fall ein toller Fototörn

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  3. Mit Hafen und Schiffen und Wasser kriegste mich immer und mein absolutes Favoriten Bild sind die Kranhaken in sw 👍 das ist so klasse 😍 genau meine Richtung Detail-reduziert-minimalistisch-monochrom perfekt, eins für die Wand.
    Liebe Grüße!

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