Unscharfe Bilder retten – Moorknipsers Softwaretest

Wem ist es nicht auch schon passiert? Da guckt man seine Fotos durch, hat ein tolles Motiv aufgenommen und … unscharf!

Viele werden jetzt sagen, „Jo, kenne ich!“ So ging es mir auch, als ich den Tweet von Dirk Primbs bei Twitter gelesen habe: Twitter

Schnell habe ich mir die Software von Topaz Sharpen AI heruntergeladen, denn es gibt eine kostenlose Testversion, die 30 Tage lang nutzbar ist.

Mein Fotograf durfte als erstes Model herhalten. Ich habe ihn vom Stativ mit folgenden Einstellungen fotografiert:

  • Blende f/4
  • Belichtungszeit 1/30 Sek.
  • ISO 100
  • Kamera Canon EOS R
  • Objektiv Canon RF 50 mm f/1.2

Die Aufnahme habe ich im RAW-Format (CR3) aufgenommen und musste sie dann noch mit Lightroom in JPEG konvertieren, da das Topaz Sharpen AI das Canon CR3-Format nicht erkennt. In Lightroom habe ich dann nur einen passenden Bildausschnitt im Format 1:1 ausgewählt und mit dem Automatikmodus das Foto etwas aufgehübscht. Danach wurde es in voller Größe als JPEG gespeichert.

Jetzt kam das Sharpen AI zum Einsatz. Das Bild wurde recht zügig eingelesen, bei der Bildbearbeitung habe ich die „künstliche Intelligenz“ einfach mal ihr Werk verrichten lassen. Die Optimierung und die abschließende Speicherung des geschärften Bildes dauert doch recht lange – vielleicht lag es auch an meinem PC, der nicht mehr ganz taufrisch ist – aber ok, wenn man dieses Programm nutzt, dann ja nur um einzelne Bilder zu retten, somit ist die lange Bearbeitungszeit für mich vertretbar.

Vom Ergebnis des Nachschärfens bin ich aber nach meinem ersten Versuch sehr enttäuscht:

Fotograf vorherFotograf nachher

Das Bild wurde nur minimal optimiert, man sieht es etwas an der Mütze und an den Augenbrauen der Figur.

Jeder verdient eine zweite Chance, dachte ich mir und habe einen Zollstock fotografiert. Vielleicht hat das Programm mit räumlichen Motiven mehr Probleme als mit einer Frontalaufnahme des Zollstocks.

Auch hier habe ich das Ganze wieder vom Stativ fotografiert.

Einstellungen:

  • Blende f/4
  • Belichtungszeit 1/80 Sek.
  • ISO 100
  • Kamera Canon EOS R
  • Objektiv Canon RF 50 mm f/1.2

Richtig zufrieden bin ich aber mit diesem Ergebnis immer noch nicht, obwohl man schon deutliche Verbesserungen im Vergleich zum ersten Foto erkennen kann.

Also habe ich den Zollstock ein zweites Mal aufgenommen, diesmal aber nicht ganz so unscharf. Die Einstellungen blieben natürlich gleich.

Hier ist das Resultat wirklich klasse. Die leichte Unschärfe hat Sharpen AI ganz gut rausgerechnet und das Bild optimiert.

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, ob es nicht mit einem Bildbearbeitungsprogramm, welches man sowieso benutzt, genauso möglich ist, ein solches Foto zu schärfen. Ich nutze schon seit einiger Zeit Lightroom und habe deshalb versucht, das Zollstockfoto damit zu „retten“.

Zugegeben, ich habe ganz schön an den Reglern „Schärfen“, „Struktur“ und „Klarheit“ in Lightroom gedreht … Am Ende hat Topaz Sharpen AI doch die Nase vorn. Ich finde das Ergebnis, welches Lightroom liefert noch ok, dennoch muss man natürlich bedenken, dass hier aber schon das Ende der Fahnenstange erreicht ist und bei noch mehr Schärfen das Foto dann auch nicht mehr gut aussieht. Die Software von Topaz dagegen hat ein wirklich beeindruckendes Endresultat abgeliefert mit einem Schärfungsgrad, der immer noch natürlich aussieht.

Was mir zusätzlich aufgefallen ist, ist die Größe der JPEG-Dateien, die von Topaz Sharpen AI erzeugten werden. Diese sind fast doppelt so groß, wie die Ausgangs-JPEG-Datei:

Original JPEG „Fotograf“: 7738 kb

Sharpen AI JPEG „Fotograf“: 14313 kb


Original JPEG „Zollstock_01“: 4299 kb

Sharpen AI JPEG „Zollstock_01“: 8121 kb


Original JPEG „Zollstock_02“: 3476 kb

Sharpen AI JPEG „Zollstock_02“: 6647 kb

Fazit und persönliche Meinung:

Sharpen AI von Topaz kann leichte Unschärfe in JPEG-Bildern gut korrigieren. Das Programm gibt es zur Zeit nur auf Englisch, ist aber alles in allem selbsterklärend. Bei stärkeren Verwacklern ist das Endresultat nicht mehr so optimal bzw. kaum noch zu erkennen. Bei einem Preis von ca. 79,- $ (ca. 65,- €) sollte man sich schon gut überlegen, ob sich diese Zusatzausgaben lohnen.

Die Software bietet natürlich noch viele weitere Einstellungen, die man manuell tätigen kann und evtl. zu besseren Ergebnissen führen könnten. Ich habe mich mit diesen Möglichkeiten nicht weiter beschäftigt, da ich hier nur einen kleinen Überblick geben wollte und Topaz ja explizit mit der AI-Funktion wirbt.

Ich werde dieses Programm nicht weiter nutzen, denn ich hatte bisher keinen Fall, an den ich mich erinnern kann, bei dem die nachträgliche Schärfung mir das Bild gerettet hätte. Entweder habe ich das Foto gelöscht, weil es einfach unbrauchbar war oder ich konnte das Motiv noch einmal aufnehmen. Um etwas mehr Schärfe und Detailstruktur in ein Foto zu bekommen, reichen für meine Bilder die Möglichkeiten von Lightroom völlig aus.

Um Sharpen AI einfach mal zu testen und zu erfahren, ob das Programm überhaupt für den persönlichen Arbeitsablauf nützlich ist, kann man sehr gut die kostenlose 30 Tage Testversion verwenden.

Mich würde interessieren, ob Ihr diese Software nutzt oder ausprobieren wollt, oder vielleicht habt ihr ja auch ganz andere Lösungen …

 

Euer Matthias


∗ Die in diesem Beitrag genannten Softwareprodukte habe ich mir gekauft bzw. die kostenlose Testversion genutzt, die auf der Homepage des Herstellers zum Download angeboten wird.

 

4 Antworten auf „Unscharfe Bilder retten – Moorknipsers Softwaretest“

  1. Moin Matthias,

    danke für den Test. Ich weiß nicht recht, ob ich das benötige. Was ich nickt schlecht finde ist, dass ein Tool die optimale Schärfe für ein entsprechendes Bild vornimmt und eine Überschärfung vermeidet. Aber gut. Weiß nicht wie oft der Fokus nicht gepasst hat und Unschärfe zu korrigieren ist. Bei Portraits vielleicht ab und an. Aber auch da. Ich konzentriere mich beim auslösen darauf, dass die Einstellungen passen. Und wenn es mal passiert, ist es so. Ich möchte halt fotografieren und nicht nachher alles von einer optimierten Lösung korrigieren lassen. Es gibt mir zwar die Möglichkeit nimmt mir aber auch meine Konzentration beim Fotografieren. Das wichtigste ist doch, dass man sich mit dem Bild auseinandersetzt und analysiert warum es nicht scharf ist. Was habe ich falsch gemacht? Was muss ich verbessern.

    Grüße

    Markus

    1. Moin Markus,
      das ist ein sehr gutes Argument, dass du anbringst! Aus seinen Fehlern lernen ist natürlich immer ein guter Weg, um besser zu werden. Gerade bei der Porträtfotografie gefallen mir die Fotos besonders gut, die nicht knackscharf sind, sondern vielleicht eher etwas „unperfekt“. Aber auch hier muss das schließlich jeder für sich entscheiden.

  2. Servus Matthias!

    Interessanter Test – vielen Dank dafür!
    Mir persönlich wäre der Preis dann doch etwas zu happig, wenn man bedenkt, wie selten man so etwas dann auch wirklich gut nutzen könnte.

    Have fun
    Horst

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